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   Interview

Dr. A. Böhme von COPACK im Gespräch
Viele Fischarten sind in ihren Beständen akut bedroht. Die Verbraucher sind inzwischen dafür sensibilisiert – sie wünschen sich mehr Transparenz über die Herkunft der Fische, um diesen Aspekt beim Einkauf berücksichtigen zu können. Mit welchen Maßnahmen Copack zum Schutz bedrohter Fischbestände beiträgt, dazu beantwortet Dr. Axel Böhme, Leiter der Qualitätssicherung, im folgenden einige Fragen:


Herr Dr. Böhme, welche Rolle spielt das Thema »Nachhaltiger Fischfang« in Ihrem Unternehmen?

Eine ganz wichtige. Weil wir dem schonenden Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen eine entscheidende Bedeutung beimessen, engagiert Copack sich auf diesem Gebiet bereits seit langem. So spielen wir etwa eine führende Rolle im Forum »Bestandserhaltende Fischerei«, das auf eine Initiative der deutschen Fischwirtschaft  zurückgeht. Ergebnis dieser Arbeit ist zum Beispiel die freiwillige Kennzeichnung der Fanggebiete, die im Detail weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus geht. Das Ziel: Die Verbraucher sollen unterscheiden können, ob ein Fisch einem gesunden oder einem überfischten Bestand entstammt.

Dazu sind das Sub-Fanggebiet sowie die exakte Bezeichnung der Fischart auf der Verpackung verzeichnet. Den aktuellen Zustand dieses konkreten Bestands kann der Verbraucher über die Internet-Plattform www.portal-fischerei.de oder www.fischinfo.de abrufen. Betrieben wird diese Plattform vom  Fischinformationszentrum e.V. bzw. dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Dieses Vorgehen trägt der Tatsache Rechnung, dass der Zustand der Bestände einer Fischart sehr unterschiedlich sein kann. Beim Kabeljau sind einige Bestände, zum Beispiel die im Faröer Plateau oder der Irischen See, derzeit stark überfischt, andere dagegen werden nachhaltig bewirtschaftet und sind daher gesund – etwa die Bestände in der Nordostarktis. Man kann also in den meisten Fällen nicht pauschal zum Verzehr einer bestimmten Fischart raten oder eben davon abraten, sondern muss da genauer differenzieren. Hier zum Schutz der Bestände – und letztendlich auch des Verbraucherwunsches – Transparenz zu schaffen, dafür setzen wir uns ein.


Welche Maßnahmen im Bereich Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung sind heute schon umgesetzt, welche sollen in naher Zukunft umgesetzt werden?

Da uns nachhaltige Fischwirtschaft schon seit längerem ein dringendes Anliegen ist, haben wir für unsere Fischprodukte bereits ein hohes Maß an Sicherheit etabliert, was die Herkunft und die Nachhaltigkeit der Fische betrifft. Das bedeutet, dass wir  den von uns weiterverarbeiteten Fisch bis zum Fangschiff und zur Fangreise zurückverfolgen können. So vermeiden wir, dass wir so genannten »IUU-Fisch« angeliefert bekommen, also illegal, undokumentiert und unreguliert gefangene Fische.Schon vor zwei Jahren haben wir für einen unserer Kunden ein spezielles Rückverfolgbarkeitssystem implementiert, mit dem sich aus der Kennzeichnung der Faltschachtel ergibt, von welchem Schiff und an welchem Tag der Fisch gefangen wurde. Auch die EU hat die Bedeutung der Rückverfolgbarkeit zur Vermeidung von IUU erkannt. So  trat zum 1. Januar 2010 eine neue EU-Verordnung in Kraft, auf deren Basis IUU-Fischfang noch wirksamer bekämpft werden soll. Die wichtigsten der in der Verordnung enthaltenen Anforderungen sind bereits Praxis bei Copack: So fügen unsere Lieferanten jeder Warenlieferung schon seit mehreren Monaten einen so genannten »Traceability Report« bei, der  das Fanggebiet, das Schiff sowie die Fangreise dokumentiert.


Verarbeitet Copack bestimmte Fischsorten nicht mehr, weil sie in ihren Beständen akut bedroht sind?

Wir verzichten grundsätzlich darauf, Fisch aus gefährdeten Beständen zu kaufen. Ein Beispiel: Dorsch (wie der Kabeljau aus der Ostsee heißt) beziehen wir derzeit nicht aus der östlichen Ostsee, da die Bestände im Osten momentan akut überfischt sind.


Sind Fische aus Aquakulturen unter den Aspekten Nachhaltigkeit und Qualität eine gute Alternative?

Ja – denn die Wildressourcen werden geschont und bedrohte Bestände haben die Gelegenheit, sich zu regenerieren. Allerdings muss auch hier nachhaltig gewirtschaftet werden, um ein hohes Qualitätsniveau sicherzustellen.

Dabei ist unter anderem die Wasserqualität ein wichtiges Kriterium. Damit das Wasser nicht überdüngt wird, muss zum Beispiel die Futtergabe sehr sorgfältig erfolgen. Selbstverständlich  sind die Gesundheit der Tiere und der Einfluss auf die Umwelt weitere zentrale Aspekte. Daneben spielen jedoch auch sozial-ethische Kriterien eine Rolle, etwa bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern.

Sind diese Aspekte ausreichend berücksichtigt, können Produkte der Aquakultur inzwischen nach einem Nachhaltigkeits-Standard zertifiziert werden – dem AquaGAP-Standard.  Derzeit gibt es den AquaGAP-Standard zum Beispiel für Pangasius aus Vietnam. Neben »Bio« ist AquaGAP zurzeit der anspruchvollste Nachhaltigkeitsstandard für Aquakulturen, und wir von Copack empfehlen ihn daher unseren Kunden.

Auch bei der Aquakultur sind die Dinge in Bewegung. Ab 2011 wird auf Betreiben des World Wildlife Fund ein weiterer Standard zur Verfügung stehen: der ASC. Als »Aquaculture Stewardship Council« stellt er das Gegenstück zum MSC dar, dem »Marine Stewardship Council«, der für wild gefangene Fische gilt. Auch hier spielt Copack eine aktive Rolle und unterstützt den Aufbau des ASC, der zukünftig der wichtigste Nachhaltigkeitsstandard für Aquakulturprodukte sein wird.

Haben Copack-Produkte bereits Siegel, die auf die von Ihnen genannten Standards verweisen?

Ja, wir stellen für unsere Kunden eine Vielzahl von Produkten her, die das MSC-Siegel tragen. Wie schon erwähnt gibt es bereits Pangasius-Produkte mit dem AquaGAP-Siegel. Nach unserem Motto »Von Anfang an Ihre Marke« setzen wir darüber hinaus auch spezielle Rückverfolgsbarkeitssysteme für die von uns betreuten Handelsmarkenprodukte unserer Kunden um und machen dies für die Verbraucher durch ein Siegel auf der Verpackung sichtbar.